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Geschichte und Bau
Geschichte der St.Nikolaikirche in Potsdam

Die Anfänge der St.Nikolaikirche sind, wie bei vielen Kirchen in unserem Land, nicht mehr mit Sicherheit nachzuzeichnen. Nachdem im Jahre 993 in einer Belehnungsurkunde Kaiser Ottos III.der Name Potsdam (poztupimi) für eine slawische Siedlung das erste Mal schriftlich nachweisbar ist, verliert sich die Geschichte der "Insel Potsdam" im Dunkeln. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts drangen christliche Siedler der Askanischen Markgrafen von Brandenburg und der Erzbischöfe von Magdeburg in das Gebiet vor, wo die Nuthe in die Havel mündet. Gegenüber der Nuthemündung lag eine slawische Siedlung mit einer Burgwallanlage (heute am Ende der Burgstraße und der Seniorenresidenz Heiligengeistpark). Westlich davon wurde eine deutsche Siedlung mit Wachturm und Kirche errichtet.

Über den ersten Kirchenbau wissen wir nichts. Das älteste Schriftzeugnis einer Kirche in Potsdam im Landbuch Kaiser Karls IV. (1375/78) spricht von der Pfarrkirche (ecclesia parochialis) Potsdams. Der Name wird nicht erwähnt. Das war üblich, wenn es an einem Ort nur eine Kirche gab. Wahrscheinlich war sie dem beliebtesten Heiligen des Mittelalters, St. Nikolai, geweiht. Dafür spricht einmal, dass viele Marktkirchen diesen Namen trugen, war doch St. Nikolai der Schutzheilige der Kaufleute und Fischer (siehe die Nikolaikirchen in Berlin und Spandau). Zum anderen befand sich nördlich dieser Kirche der Klaussee (Nikolaussee) - heute Platz der Einheit.

Die älteste Stadtansicht (von Memhardt 1672) zeigt neben dem Stadtschloss eine gotische Hallenkirche. Nach der Einführung der Reformation 1539 und den großen Stadtbränden 1536 und 1550 erfährt diese Kirche neben den nötigen Instandsetzungsarbeiten auch eine wesentliche Vergrößerung. Sie wird im Inneren zum evangelischen Predigtsaal erweitert und erhält eine Kanzel. 1563 wird auf dem romanischen Turmunterbau eine Renaissancehaube aufgesetzt. 1602 wird in einer Urkunde die St. Katharinenkirche genannt. Ist sie in der Reformationszeit umbenannt worden? Oder war es von Anfang an eine Katharinenkirche? Wir wissen es nicht.

Diese Kirche ist zu klein für die aufstrebende Residenz- und Garnisonstadt Friedrich Wilhelms I. (des Soldatenkönigs). Sie wird auf Grund einer Kabinettsordre vom 7. April 1721 abgerissen. Der Friedhof wird vor das Berliner Tor verlegt. Von 1721 bis 1724 entsteht nach Plänen des Hofbaumeisters Philipp Gerlach ein neuer Kirchenbau mit kreuzförmigem Grundriss und einem 84 m hohen Turm. Dieser Kirchenbau erhält bei der Einweihung (wieder?) den Namen St. Nikolai. Die neue Barockkirche besteht im Inneren aus einem Quersaal, der von drei Emporen umzogen wurde und einarmig zur Marktseite hin erweitert war. Unter Friedrich dem Großen wird 1753 an der Marktseite der St. Nikolaikirche eine miniaturisierte Kopie der Prunk- und Schaufassade von St. Maria Maggiore in Rom vorgebaut. Die Zeichnungen dazu stammen von Wenzeslaus von Knobelsdorff. Am 3. September 1795 brennt die Kirche durch unvorsichtigen Umgang mit Lötfeuer bei einer Turmreparatur völlig ab. Die Kirchenruine wird abgetragen. Bereits 1796 werden Pläne zum Wiederaufbau einer Kirche von Michael Philipp Boumann d.J. und von Friedrich Gilly, dem Lehrer Karl Friedrich Schinkels, ausgearbeitet. Der Entwurf von Gilly wird von König Friedrich Wilhelm II.angenommen. Der Wiederaufbau verzögert sich und kam 1806 nach der Niederlage Preußens durch Napoleon zum Erliegen. Auch an Schinkel, den Schüler und Freund des inzwischen jung verstorbenen Friedrich Gilly, waren Gedanken zum Neuaufbau der Kirche herangetragen worden. Schinkel schreibt am 4. Oktober 1818 an den Generaladjutanten des Königs Friedrich Wilhelm III., den Generalmajor von Witzleben:

"Der mir von Euer Hochwohlgeboren gütigst in Erinnerung gebrachte Entwurf einer Kirche zu Potsdam liegt mir beständig vor meiner Seele, ich muß zu diesem höchst interessanten Gegenstande aber einige Muße erbitten, weil die glücklichsten Stunden abgewartet werden müssen. Ich fühle mich aber schon jetzt in dem Gedanken höchst beglückt."

Erst 30 Jahre nach dem ersten Entwurf von Gilly erhält Schinkel 1826 den Auftrag für einen neuen Vorschlag. Dieser zeigt deutlich, dass Schinkels Entwurf dem Plan seines Lehrers verbunden bleibt. Unter den zahlreichen Entwurfsblättern, die er vorlegt, ist der ausgeführte Entwurf eines Zentralbaues mit Kuppel am interessantesten. Schinkel hat Anregungen aus Paris und London verarbeitet, wo er das Pantheon und die St. Pauls-Kathedrale gesehen hatte. Dieser Entwurf kann zunächst nicht verwirklicht werden. Unter der Leitung des Baumeisters Friedrich Ludwig Persius beginnen die Arbeiten an der Kirche 1830. Am 17. September 1837 wird die Kirche eingeweiht, die durch ein flaches Satteldach und dem südlich vorgelagerten Portikus mehr an einen antiken Tempel als an eine Kirche erinnert. 1840 wird Friedrich Wilhelm IV. König. Am 9. Oktober 1841 stirbt Schinkel. Erst 1843 wird unter der Leitung des Baumeisters Friedrich August Stüler nach den ursprünglichen Plänen Schinkels die Tambourkuppel aufgesetzt. Die Einweihung der Kirche in ihrer endgültigen, das Stadtbild prägenden Architektur findet am 24. März 1850 statt.

In den Jahren 1912 und 1913 erfolgt eine Innenrenovierung. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wird die Kirche bei Kämpfen in Potsdam schwer beschädigt. Der Wiederaufbau erfolgte nach 1945 in mehreren Etappen. Im Inneren erfährt sie wesentliche Veränderungen. So werden die Säulen, auf denen die Emporen ruhen, um zwei Meter in den Innenraum versetzt. Der so gewonnene Raum wird durch Glaswände abgetrennt, hinter denen sich ein Andachts- und ein Ausstellungsraum, Beratungs- und Büroräume befinden. Unter der Kirche werden ein Jugendraum, eine Teeküche und Toiletten eingebaut. So erhält die evangelische Kirchengemeinde nicht nur einen Ort für sonntägliche Gottesdienste, sondern auch Räume zur täglichen Nutzung für vielfältige Angebote einer zeitgemäßen Gemeindearbeit. Erst 1981 kann die Kirche wieder eingeweiht werden.

Heute ist sie Heimat von Christen der ehemaligen Potsdamer Kirchengemeinden St. Nikolai, Heiligengeist und Teltower Vorstadt, die sich zur neuen Evangelischen Kirchengemeinde St. Nikolai zusammengeschlossen haben. Auf Grund der landeskirchlichen, historischen und baugeschichtlichen Bedeutung ist die evangelische Kirche St. Nikolai in der Landeshauptstadt Potsdam auch zu einer geistlichen und gesellschaftlichen Begegnungsstätte von Christen, Politikern und Menschen anderen Glaubens geworden, die sich in ihr zu kirchenmusikalischen Aufführungen, Ausstellungen und Vorträgen versammeln.

Pfr.i.R.DietmarBeuchel

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Bauliche Besonderheiten der Nikolaikirche

Schon die Ausmaße des Bauwerks zeigen, dass die Nikolaikirche auch aus bautechnischer Sicht ein bemerkenswertes Baudenkmal darstellt. Die Gesamthöhe bis zum Kreuz beträgt 77 m. Das Hauptgesims des quadratischen Unterbaues liegt in 27 m Höhe.Darauf erhebt sich der von achtundzwanzig 10 m hohen Säulen umstellte Tambour mit einer Höhe von 22,5 m. Die Kuppel selbst hat bei einem Durchmesser von 24 m eine Höhe von 13 m und trägt wiederum eine Laterne mit Kreuz, die 14,5 m hoch ist.

Der Innenraum hat bis zum Kuppelscheitel eine Höhe von 52 m. Die Tambourkuppel erhebt sich über dem Kirchenraum mit dem Grundriss eines griechischen Kreuzes, dessen Arme von vier Tonnengewölben überdeckt sind. Diese Gewölbe von 19 m Spannweite bestehen aus dreifach übereinander gemauerten Gewölbebogen. Die Überleitung von den Tonnengewölben zum Rund des Tambours, der die zweischalige Kuppel trägt, bilden vier sphärische Dreiecke, sogenannte Pendentifs. Setzungen in den Tonnengewölben veranlassten Persius vor Beginn der Arbeiten zur Errichtung von Tambour und Kuppel die vier 45 m hohen Ecktürme als Strebepfeiler anzufügen. Diese verhalfen der Nikolaikirche gleichzeitig auch zu einem schwingenden Geläut. Vorher gab es nur drei feststehende Schalenglocken in flacher Form, deren Klöppel beim Läuten bewegt wurden. Sie waren in Glockenstuben mit Schallöffnungen angeordnet, die vor dem Aufsetzen der Kuppel geschlossen wurden. In der Beschreibung der Nikolaikirche von W. Riehl aus dem Jahr 1850 wird das neue Geläut als "angenehmerer Gewinn für unsere Stadt" beschrieben, "als gerade das frühere der St. Nikolaikirche einen fast widerwärtigen Eindruck machte". Um Gewicht zu sparen, wurde die innere Kuppel aus Hohlkörpern gewölbt, die ebenso wie die Mauerziegel des Tambours aus ganz leichter Infusorienerde mit Tonbeimischung gebrannt wurde. Aus dem gleichen Grunde wurde für die äußere Schutz- und Zierkuppel nicht die von Schinkel geplante Holzkonstruktion, sondern eine filigrane Gusseisenkonstruktion gewählt. Zum Ausgleich von Bewegungen durch thermische Dehnung wurde die gesamte Kuppelkonstruktion auf Rollen gelagert. Die Kuppelkonstruktion entwarf Persius gemeinsam mit August Borsig.

Den Baustoff Gusseisen verwendete Schinkel bereits 1836 zur Herstellung der großen seitlichen Bogenfenster und weiterer sichtbarer Details. Für zahlreiche Schmuckelemente wurde Zinkguss oder Terrakotta verwandt. Diese Materialien ließen eine kostengünstige, teilweise industrielle Vorfertigung der Bauteile zu. Konstruktion, Auswahl der Materialien und Bauweise der Kirche spiegeln so den neuesten Stand der damaligen Bautechnik wider. Für den Wiederaufbau der äußeren Kuppel nach den Kriegszerstörungen wurde an Stelle der Gusseisenkonstruktion ein Tragwerk aus Walzstahl errichtet. Der benötigte Stahl wog etwa 47 Tonnen und damit fast ein Drittel weniger als die alten Kuppelrippen.

Die Akustik der Nikolaikirche war anfangs unbefriedigend. Das Aufsetzen der Kuppel führte zu einer ersten Verbesserung. Aber auch weiterhin wurden immer wieder Versuche unternommen, die akustischen Bedingungen des Raumes zu verbessern. 1882 spannte man ein Hanfnetz in Höhe der Galerie in der Rotunde ein, vergrößerte den Schalldeckel der Kanzel und brachte daran und zwischen den Säulen der Empore Vorhänge an. 1912 wurden von dem Berliner Bildhauer Otto Lessing Stuckkasetten im Sinne des ursprünglichen Schinkelschen Entwurfs von 1829 angebracht und das Kanzeldach nochmals vergrößert. Damit eignete sich der Kirchenraum bereits für Konzertaufführungen. Beim Wiederaufbau der Kirche wurden zwischen den Fenstern des Tambours und an den seitlichen Tonnengewölben Kassettenplatten angebracht und die Glaswände am Eingang faltenförmig gestaltet. Diese Maßnahmen bewirken eine diffuse Schallreflektion und somit eine bedeutende Minderung der Überakustik.

(nach Andreas Kitschke, 1981)


Letzte Änderung:
02.02.2006
Michael Pawlitzky


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